von DESG Presse / 08.February 2010 / 18:16 Uhr
Einen Medaillensatz gewannen die Sportler der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft vor vier Jahren in Turin: Gold im Team Pursuit, 5000-m-Silber für Claudia Pechstein und Bronze über 1000 m für Anni Friesinger. Während die Männer vom 400-m-Oval sowie die Shorttrack-Kurvenkratzer leer ausgingen. Die Vorzeichen in British Columbia stehen ähnlich, prognostizieren ehemalige Asse des Kufensports.
„Unseren Frauen traue ich in Vancouver viel zu“, freut sich Jahrhundert-Eisschnellläuferin Gunda-Niemann-Stirnemann auf die Startschüsse im Olympic Oval von Richmond. „Stephanie Beckert ist unglaublich stark geworden auf den langen Strecken, allerdings gibt es da ja noch die Tschechin Martina Sáblíková. Daniela Anschütz-Thoms mit ihrer Routine muss man immer auf der Medaillenrechnung haben. Ich bin gespannt, zu was Anni Friesinger-Postma nach ihrer schwierigen Saison mit Verletzungen und Krankheiten in der Lage ist. Sie wirkt, wie immer, voll auf Sieg programmiert, das entspricht ihrem Naturell. Ich hoffe nur, dass ihr operiertes Knie den Belastungen standhält und sie den Nachteil fehlender Wettkämpfe kompensiert.“
Jürgen Dennhardt, Shorttrack-Coach der ersten Stunde und bis 2006 Bundestrainer, ließ sich von der Begeisterung bei den EM-Staffelwettkämpfen (Gold und Silber für die Teams) auf der engen 111-m-Bahn gerne anstecken. „In den Einzelwettbewerben von Vancouver haben unsere Shorttracker vermutlich kaum Medaillenchancen. Zu stark ist die Konkurrenz aus Asien und Kanada. Beeindruckend aber, welche Entwicklung beispielsweise Robert Seifert genommen hat. Er wird über 500 m seine Chance suchen. Paul Herrmann ist unser Mann für die 1500 m. Der Staffel traue ich zu, bei guter Tagesform und mit etwas Glück sogar ins Finale der besten Vier vorzustoßen.“ Von den Leistungen her, meint der Dresdner, rangieren die deutschen Männer etwa auf Rang 5. „Im Vorlauf gilt es, die Chinesen zu besiegen. Korea ist nur bei einem Sturz zu schlagen.“
Der ehemalige Langstreckenspezialist Frank Dittrich schaut sich die olympischen Wettkämpfe von Deutschland aus an. Wahrscheinlich aber nicht von der heimischen Couch aus, denn „ich habe ein Angebot von Eurosport als Co-Moderator.“ Dann müsste er durch die Nacht kommentieren, ansonsten läge sein Augenmerk mehr auf ausgewählten Strecken: „Meine beispielsweise (Anm.: 5000/10000m), oder bei den Frauen. Favoritin auf Gold ist für den 42-Jährigen auf jeden Fall Jenny Wolf über die 500 m-Distanz. Wenn’s aber um mehr Edelmetall geht, tippt er auch auf Stephanie Beckert. „Die ist für drei Medaillen gut, über 3000, 5000 m und im Team Pursuit. Es muss ja nicht Gold sein. Ich hoffe, dass sie mit Lockerheit an die Sache heran geht.“ Ein Vorteil könnte sein, dass auch ihr Bruder Patrick in Vancouver dabei ist. Internati-onal tippt Frank Dittrich auf Sven Kramer und Shani Davies.
Natürlich verfolgt auch Yvonne Kunze, zwischen der Paukerei für ihr Aufstiegsstudium bei der Bundespolizei, was in Vancouver auf der Shorttrack-Piste abgeht. Die frühere Dauerbrennerin auf den „Bananen“, acht Mal unter den Top-Ten Europas und Siebte bei ihren abschließenden Spielen in Turin (1000 m), drückt die Daumen, „dass die Deutschen ein wenig Glück haben und in die richtige Position kommen. Warum sollte dann nicht mal der Einzug ins Finale möglich sein?“, fragt die Polizeiobermeisterin rhetorisch. „Alle haben unter Trainer Éric Bédard einen enormen Sprung gemacht. Dieses Auftreten, das Selbstbewusstsein – das ist neu. Die Sportler reagieren nicht nur, sie agieren.“ Überraschungen traut sie Aika Klein, Paul Herrmann, Tyson Heung und Robert Seifert durchaus zu, „auch wenn es für Europäer wieder schwer wird, gegen die Koreaner, aber auch Kanadier und US-Amerikaner zu bestehen“. Ihre Botschaft nach Vancouver: „Genießt die Spiele und verlasst Euch auf das, was Ihr im Training geleistet habt“.
Der zweimalige Olympiasieger (1968/1972) Dr. Erhard Keller ist gut vorbereitet: „Wir haben uns jetzt einen Flachbildschirm für die olympischen Übertragungen besorgt. Und wenn ich um Geld wetten müsste, würde ich auf Jenny Wolf setzen. Bei ihr hoffe ich auf Gold, auch wenn ihr Beixing Wang und die Koreanerin das Leben schwer machen wollen. Aber auch bei Anni Friesinger bin ich zuversichtlich. Die Männer haben sich unter dem aktuellen Bundestrainer gesteigert, sie kommen näher an die Weltspitze heran.“ Dem früheren Sprint-Weltrekordler imponiert zum Beispiel der Fortschritt von Nico Ihle, auch das Ausrufezeichen von Samuel Schwarz bei der Sprint-WM fand er imponierend. Der neue Hightech-Fernseher ermöglicht es dem 65-Jährigen, die Entscheidungen aufzuzeichnen – und am nächsten Morgen zu studieren. „Ich möchte möglichst wenig verpassen.“