von DESG Presse / 07.February 2010 / 15:21 Uhr
Obgleich er den Shorttrack-Tempel Pacific Coliseum schon beim Weltcup erlebte, ist Sebastian Praus nicht wenig beeindruckt. Steil ragen die Tribünen empor, bieten Platz für 13 000 Besucher. Wenn hier die Medaillen vergeben werden, die kanadischen Gastgeber vom Goldrausch beseelt sind, dürfte die olympische Ekstase überschwappen. Dann muss der 29-Jährige aus Dresden ausblenden, dass er seine Karriere anschließend beenden will, ob die angereisten Eltern doch noch Tickets ergattern konnten. Wie es weitergeht mit dem Job bei der Bundespolizei. Und dass es zuhause früher Morgen ist, wenn sein Sport über die Bildschirme flimmert. Egal. „Erstens lohnt es sich aufzubleiben, weil Deutschland eine Medaillenchance besitzt. Zweitens entscheidet sich bei uns erst auf der Ziellinie, wer gewinnt und drittens ist das der attraktivste Wintersport.“ Keine Widersprüche beim Praus‘schen Plädoyer, zumal mindestens das letzte Argument sticht. „Mut, Taktik, Stürze, Tempo“ seien die Komponenten. Das sollte man sich nicht entgehen lassen…
OK, das betagte Coliseum, das sich die Kurvenflitzer bei den Entscheidungen mit den Eiskunstläufern teilen, könnte äußerlich demnächst ein Facelift vertragen. Doch unter der Kuppel sind die Helfer in ihren hellblauen Anoraks für einen Ansturm gerüstet. Die Tickets seit Monaten ausverkauft, zuletzt wurden Karten für 800 Dollar gehandelt. Und Praus, Tyson Heung, Robert Becker, Paul Herrmann, Robert Seifert sowie Solistin Aika Klein (Partnerin von Sebastian) mittendrin statt nur dabei. Das Team träumt von einer Medaille. Beim Training der tiefgeduckten Skater im schwarz-rot-goldenen Renndress leuchtete beim Check der Anzeigetafel „Médaille de Bronze“ auf. Nomen est omen? Das kann ja heiter werden: wenn das Team von Bundestrainer Eric Bédard (Foto), der mit den kanadischen Eismeistern parliert, als könne er ihnen eine Zauberformel für die schnellste Furche entlocken, tatsächlich auf die „Ahornblätter“ trifft.
Praus, in Dresden kürzlich Staffel-Vizeeuropameister, weiß, was auf sie zukommt. Aber Bange machen gilt nicht. Es prickelt vielmehr. Die Visionen reichen schon bis zu „weiteren deutschen Großstädten“, die mit ihren Eishockey-Bahnen der Shortrack-Spezies als künftige Heimat dienen könnten. Da trifft es sich gut, dass die Einheimischen, anfänglich euphorisch und mit sage und schreibe 15 Goldmedaillen flirtend, plötzlich „die dunkle Seite des Heimvorteils“, so Globe and Mail, fürchten. „Der Druck nimmt zu“, spürt das Blatt, „und damit müssen die Athleten fertig werden.“ Wenn zum Beispiel im Coliseum 13 000 euphorische Fans „Go, Canada, Go“ skandieren…