Stephanie Beckert: WM-Einstieg mit Bronze

Stephi_und_MaxiStephanie Beckert und ihr größter kleiner Fan, Maxi.
Foto: DESG-Presse
Geschafft! Stephanie Beckert strahlte, jubelte ins Publikum – und nahm nach ihrer Inzeller WM-Premiere über 3000 Meter auf dem Podium Platz. Mit Bronze dekoriert. Hinter der unglaublich starken holländischen Olympiasiegerin Ireen Wüst und ihrer Dauer-Rivalin Martina Sáblíková. Platz 8 für Claudia Pechstein bei ihrem Aufsehen erregenden Comeback und 15. Rang für WM-Debütantin Jennifer Bay. Teamleader Helge Jasch zog sein Fazit des Auftakts mit zufriedener Miene. „Damit ist das Eis gebrochen, nach der ersten Medaille kehrt Ruhe ein. Ein Grund, im Quartier auf diesen Erfolg anzustoßen.“


Jennifer Bay contra Claudia Pechstein – so wollte es die Auslosung. Jugendlicher Ansturm gegen die Erfahrung einer medaillengekrönten Karriere. „Natürlich bin ich etwas erschrocken über die Auslosung. Das war mehr als aufregend, ich wollte mich an ihr orientieren und habe mich mitreißen lassen. Nach drei Runden musste ich erkennen, dass der Angang zu schnell war.“ Platz 15. Egal: die erste Weltmeisterschaft für Jennifer Bay (19) kann weitergehen, da Claudia Pechstein (39) auf einen Start über 1500 Meter verzichtet – und die Kräfte für die 5000 m schonen will.
„Ich war schon froh, als Starterin aufgerufen worden zu sein, habe die Kulisse genossen und mein Bestes geben. Leider ist dann dieser Platz zustande gekommen. Das Eis empfand ich nicht als besonders schnell, es klebte – aber ich freue mich nun einfach auf die längere Strecke, sofern ich nach den zahlreichen Kontrollen nicht bald zu blutarm bin...“ Den nationalen und internationalen Medien stand die Berlinerin noch Antwort, als Weltmeisterin Wüst längst ihr letztes Statement abgegeben hatte, bedankte sich mehrfach bei Partner Matthias Grosse („er gibt mir die Kraft“).
Stephanie Beckert (22) absolvierte einen noch längeren Epilog – nach getaner Arbeit auf dem Eis und ihrer besten Zeit auf einer europäischen Bahn (4:04.28). Eingekeilt in der spartanischen Mixed Zone im Tunnel unter der Eisfläche, zwischen auf „O-Tönen“ erpichten Journalisten. Danach Talkrunde bei Sponsor DKB im Ice House, Fragen und Antwort vor der Weltpresse. Alles mit keep smiling. Stephanie ist zufrieden. Sie hatte während des Bronze-Laufes ihren schmerzenden Rücken kaum gespürt, schnell den Rhythmus gefunden – und am Ende noch eine 32er-Runde hingelegt.
Damit das kleine Glück vollkommen ist, empfing die Thüringerin Schwester Jessica und Bruder Pedro, die einmal in ihren Spuren wandeln wollen. Patrick drückte fest die Daumen, ebenso wie die Eltern, aus Kerpsleben angereist. Auch mit dabei: Labrador-Hündin Trixie. So locker hatten Fans wie Medien-Vertreter Stephanie noch selten erlebt. Mit Platz 3 plumpste ein Stein von der Größe eines Felsbrocken von der Seele. Die erste WM-Medaille in ihrer jungen Karriere und hoffentlich ein Katalysator für das DESG-Team beim Heimspiel in der Max-Aicher-Arena, die ebenfalls ihre Feuertaufe mit Bravour erlebte. Bitte mehr davon…

„Hugos“ letzter oder vorletzter?

„Das war schon eine Überraschung: Lucas Makowsky auf dem Podium“, staunte Jörg Dallmann über den Kanadier, der eine 1:45,22-Minuten-Zeit über 1500 Meter vorlegte. An dieser Marke bissen sich (fast) alle die Zähne aus, ob nun die Niederländer Mark Tuitert (disqualifiziert), Simon Kuipers (nur Elfter) oder Stefan Groothuis (4.). Auch der hoch gehandelte Russe Ivan Skobrev (5.) und Kanadas Titelverteidiger Denny Morrison (6.) hatten sich mehr erträumt.
Die Entscheidung musste also mit dem letzten Paar fallen, und da bekam es der auch in dieser Saison herausragende Shani Davis mit dem Norweger Havard Bökko zu tun. Der Amerikaner führte das Rennen an, erarbeitete sich einen kleinen Vorsprung. Doch der Wikinger, unterstützt von einem kompletten, lautstarken norwegischen Fan-Block, ließ sich nicht abschütteln, lag auf der Zielgeraden plötzlich gleichauf mit dem großen Ami. Und schob seine Kufe zuerst über die Ziellinie. „Auch das hätte ich nicht vorausgesagt, denn über 1500 m war Havard in diesem Winter eigentlich nicht so souverän“, meinte Robert Lehmann, während in der Halle die Nationalhymne für Bökko gespielt wurde. 1:45,04 min gegenüber 1:45,09 – diese WM fängt richtig spannend an.
„Tolle Leistung von Robert“, lobte Chef-Bundestrainer Markus Eicher den Erfurter, der „das beste Rennen dieser Saison zeigte“ und in 1:47,73 min auf Platz 16 kam. „Hugo“ Dallmann, ebenfalls aus der thüringischen Landeshauptstadt, der vor einer Woche stürzte und seine linke Schulter auskugelte, war selbst überrascht: „Dass ich überhaupt schon wieder Rennen laufen kann, auch wenn es vor allem beim Start sehr schmerzte…“ 1:50,62 min, Platz 23 – „Respekt, dass Hugo sich da durchgebissen hat“ (Markus Eicher).

Robert Lehmann: „Gut, dass ich seit Dezember im Training qualitativ besser gearbeitet habe und anderthalb Wochen diese Bahn kennen lernte. Das war der Schlüssel für dieses Rennen. Immerhin war ich anderthalb Sekunden schneller als bei meinem schnellsten Saisonlauf beim Weltcup in Heerenveen.“
Jörg Dallmann: „Als erster Ersatzmann kann ich auf eine kurze Verlängerung meiner Karriere hoffen, falls ich noch die 1000 m laufen darf. Wehmut kommt nicht auf, denn ich konnte mich ja die ganze Saison auf den Abschied vorbereiten und freue mich auf die neue Herausforderung, mein Studium in Designkommunikation ab 1. April.“

Ergebnis 3000 m Frauen
Ergebnis 1500 m Männer