„Wir sind heiß“

Samuel_SchwarzDer Startschuss in die Saison ist gelungen mit den Deutschen Meisterschaften. Die Leistungen in Erfurt, von einigen Zuschauern beobachtet, waren insgesamt gut. Und die Athleten wissen nun, wo sie sich und ihre Leistungen einordnen. Nun wird’s ernst. Schon am Donnerstag reisen die Besten zum ersten Aufeinandertreffen mit der inter-nationalen Elite in Heerenveen, eine Woche später steigt der zweite Weltcup der Saison in Berlin. „Wir sind heiß. Gut, dass es los geht“, spricht Sprinter Nico Ihle seinen Kameraden aus der Seele.

Noch ein Titel für Monique Angermüller: Nach der Goldmedaille über 1500 Meter am Freitag schnappte sie sich nun auch Platz 1 auf ihrer Lieblingsstrecke 1000 m. Natürlich ging die blonde Berlinerin das Rennen an, wie sie es am besten kann: volle Kraft voraus und hinten sehen, was geht. Es langte. Jenny Wolf, erst recht eine Schnellstarterin, ging auf den letzten 300 Metern etwas die Kraft aus und die Sprint-Weltmeisterin musste sich um drei Zehntelsekunden geschlagen geben. Judith Hesse hing im Mittelabschnitt kurz durch, stürmte auf der vorletzten Geraden in „ihrer“ Halle aber an der starken Gabriele Hirschbichler vorbei, die in 1:18,74 min (wie über 1500 m) Vierte wurde. „Monique hätte noch etwas schneller sein können, wenn sie effektiver gleiten würde. Aber insgesamt bin ich zufrieden mit den gezeigten Leistungen“, resümierte DESG-Teamleader Helge Jasch.
1000 m Damen
1. Monique Angermüller (EVB), 1:17,17 min
2. Jenny Wolf (EVB), 1:17,47 min
3. Judith Hesse (ECE), 1:18,47 min

Abgezockt wirkte Marco Weber, der Olympia-Zehnte über 10.000 Meter, auf der längsten Strecke. Auf dem guten Erfurter Eis legte er mit 13:37,63 min eine ordentliche Zeit hin, keine zwei Sekunden langsamer als beim Highlight der letzten Saison in Vancouver. „So hatte ich es mit Helge Jasch abgesprochen. Sauber laufen, eine ordentliche Zeit erreichen, aber nicht übernehmen. Es war gut zu spüren, wie sich die Beine auf den 25 Runden verhalten“, meinte der Ausdauer-Athlet sichtlich zufrieden. „Und für meinen Verein in München mit seinen Nachwuchssportlern sind die Titel ein schönes Signal.“ Bereits die 5000 m hatte Weber für sich entschieden. Bei der „Deutschen“ in Thüringens Landeshauptstadt rückte ein weiterer in den Blickpunkt. Alexej Baumgärtner, einer von der U23-Fraktion, freute sich – wie schon auf der halb so langen Distanz – erneut über persönliche Bestzeit und wurde Zweiter. Kaum langsamer und als Dritter auf dem Podest: Moritz Geisreiter aus Inzell.

10.000 m Herren
1. Marco Weber (MEV), 13:37,63 min
2. Alexej Baumgärtner (ECC), 13:48,12 min
3. Moritz Geisreiter (DEC), 13:52,33 min

„Einmal Erster und zweimal Zweiter, das ist OK“, zog Samuel Schwarz eine DM-Fazit der drei nationalen Eisschnelllauf-Tage in Erfurt. Aber der abschließende Erfolg über „seine“ 1000 Meter hatte schon sein müssen. „Ich war leicht gefrustet, bin aggressiv rangegangen, habe Stabilität in der Kurve gezeigt. Sicher, der Lauf war nicht perfekt, aber die Zeit durchaus in Ordnung.“ Platz 1 vor Frank Steiner, der ein „Lebenszeichen“ sendete und Nico Ihle, der mit seiner Performance eher haderte – aber seine Zukunft eh mehr auf der Sprintdistanz sieht. Bundestrainer Thomas Schubert kann für den bevorstehenden Weltcup über die „Tausend“ vier Athleten nominieren. Und Meister Samu traut er dann eine 1:09 zu. Erstmals mit der Elite flirtete Hubert Hirschbichler, dem das Erfurter Eis sichtlich behagte. Den jungen Oberbayern wird man beim Weltcup in Berlin wieder sehen. Entsprechend herzlich fiel die Freude mit Schwester Gabriele aus. In der Heimat Inzell wächst die neue WM-Halle heran – und der elterliche Gasthof ist schon seit Monaten ausgebucht…

1000 m Herren:
1. Samuel Schwarz (SCB) 1:10,30 min
2. Frank Steiner (EVD) 1:11,50
3. Nico Ihle (CSG) 1:11,85

Der Reporter vom MDR informierte seine Zuschauer über eine „Leistungsexplosion“ – und wollte von Stephanie Beckert immer noch weitere Details über ihren sehr flotten 5000-m-Lauf erfahren. Dabei ging es so einfach: „Ich bin diesmal von Anfang an in meinen Rhythmus hineingekommen.“ Der Rücken schmerzte nicht, von der Bande feuerte die Mutti an, das Gleiten ging fast wie von selbst. Vielleicht helfen ja auch die zusätzlichen kleinen Heinzelmännchen. Als neue Werbepartner findet sich der Medima-Hase (Funktions-Unterwäsche) auf der Jacke (zuhause hat die Thüringerin einen Labrador), das Sauerstoffwasser Mooyo steht nun im heimischen Keller. Erfolge des Managements der dreimaligen Medaillengewinnerin von Vancouver. Denn nichts ist interessanter als der Erfolg. Jennifer Bay, eine der großen Entdeckungen von Erfurt, stand auf dem Podest neben der Siegerin, auch Bente Kraus (21) als Dritte gehört die Zukunft.

5000 m Damen
4. Stephanie Beckert (ECE), 7:00,93 min
5. Jennifer Bay (EVD), 7:23,79
6. Bente Kraus (EVD), 7:25,04
Foto: DESG-Presse