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Bibi und AnnaBibi und Anna legen sich mächtig ins Zeug. Foto: Tilo Wiedensohler/Camera4Der Sound der Ratschen mutierte zum Hit am zweiten Tag der Europameisterschaften. Eine gut gefüllte Halle und jede Menge Fans, die vor allem Dresdens Skater in die nächsten Runden hieven wollten. Das gelang nur teilweise, da das Duo Anna Seidel und Bianca Walter teilweise knapp scheiterte resp. stürzte und Christoph Schubert über die lange Distanz wie ein Löwe kämpfte, aber das (für die Olympia-Quali) notwendige Finale verfehlte. Dafür sorgte die Staffel für ein unerwartetes Happy End.

Nach dem Sturz-Fauxpas von Bianca, wochenlang durch einen Muskelfaserriß im Oberschenkel gehandicapt, im 1500-m-Halbfinale versuchte die Team- und Zimmerkollegin ihr Glück. Anna kämpfte auf der Gegengeraden Schulter an Schulter um eine gute Ausgangsposition und verfehlte das B-Finale um eine Kufenspitze. “Ich muss am Top Speed feilen”, ihre Erkenntnis. Coach Daniel Zetzsche ergänzte, sie sollte sich in dieser Situation “körperlich mehr durchsetzen”. Nur wenige registrierten den Arm-(Ring-)kampf, der auch zu einer Disqualifikation der Rivalin hätte führen könne. “Aber so ist das”, die Reaktion von Anna Seidel (19). Ergo: “Nächstes Mal gehe ich außen vorbei.”

Zum Unglück kam Pech: über 500 Meter musste das für Olympia qualifizierte DESG-Duo im gleichen Rennen ran – aber die Sprint-Spezialisten aus Holland und Italien brachten sofort einige Meter zwischen sich und die Konkurrenz. Da nutzte auch die starke Schlussrunde “nur” zu den Viertelfinal-Rängen 3 und 4.

Am Ende gewann die Italienerin Martina Valcepina Gold über die Kurzdistanz und die 1500 Meter. Animiert von Moderator Jens Zimmermann ging das Publiukum mit, als würde Team GER gewinnen. Die Dresdner lieben Short Track und ALLE Protagonisten. Wie Sjnkie Knegt, dem das gleiche EM-Double gelang. Angereist mit einem Supporter-Bus aus der Heimat, dem außergewöhnlichen Gefühl für die Kristalle und einer Renn-Intelligenz, die man nur über Jahre lernen kann: der 28-jährige Oranje-Bartträger hat bei den Winterspielen ähnlich viel vor.

Christoph Schubert kann am Sonntag seine letzte Chance über 1000 Meter am Schopf packen. Über 500 m im Viertelfinale mit persönlicher Bestzeit (41,896 Sekunden) notiert, aber chancenlos, hatte er vorher in “seinem” 1500-m-Rennen nach einem (schwierig einzuordnenden) Penalty – in der Schlusskurve – ein Schockerlebnis. Kauerte sekundenlang frustriert auf dem Eis, die Hände vors Gesicht geschlagen. Doch schon beim Gespräch vor der Kamera motivierte er den Interviewer, der den Faden verlor und einen Neuanlauf nehmen musste... Das ist der Christoph 2018, der selbst erstaunt ist, so hauchdünn an den Allerbesten Europas dran zu sein. “Früher bin gehemmt gelaufen, jetzt sind die anderen wie Victor An (Anm.: sechsfacher Olympiasieger) und Knegt nicht mehr die Götter, sondern durchaus schlagbar.”

Obgleich sich an EM-Tag II manche Hoffnung nicht erfüllte, blickt die fast vollständig an die Elbe gekommende DESG-Verbandsspitze um Präsidentin Stefanie Teeuwen und Vize Hubert Graf sowie Sportdirektor Bartko entschlossen  in die Shorttrack-Zukunft. Viele Anschübe vor allem im Nachwuchsbereich stimmen zuversichtlich. Während die deutsche EM-Fraktion auf ihre Weise neue Freude gewann. Als sich die Staffel (die Azzurri-Mädels waren gestürzt) in den Endlauf katapultierte: das Damen-Quartett auf Wolke sieben. Das verspricht ein finale furioso am Sonntag gegen Ungarn, Russland und Frankreich. “Wir wollen dann versuchen, in Schlagdistanz zu bleiben, Druck auszuüben. Diesmal hatten wir Glück, aber bisher lag das Pech meist bei uns”, so die glücklichen Vier unisono.