Vorolympisches InterviewJoel und Roxanne Dufter: Vorolympisches Interview in Erfurt.
Foto: DESGphoto/L.Hagen
Joel Dufter (22) gilt als Typ Marke „Hier geht was.“ Der junge Mann aus Inzell spielte Eishockey und verkraftete manche Bodychecks. Beim Short Track legte er sich ins Zeug. Und seine Karriere auf der langen Bahn verlief explosiv. Als Deutscher Meister 2016 und 2017 bezwang er Nico Ihle über 1000 m, erntete beim Weltcup in Heerenveen mit Platz 5 (in 1:08,87 Minuten) viel Respekt. Bundestrainer Van Veen pries den Shooting Star beim Medienseminar der DESG zu Saisonbeginn als große Hoffnung an. Der Joel würde das Ding schon rocken.

Alles kam anders. Ein Virus stoppte die Nordamerika-Pläne. Auf den schnellen Bahnen wollte er seine persönlichen Bestzeiten markant verbessern. Hello, here comes Joel. Dann Aussetzen in Calgary, über die schnelle Bahn von Salt Lake City förmlich „geschoben“. Und die durch die Erkrankung verloren Körner kehrten nicht zurück. „Ich schleppte mich von Rennen zu Rennen, musste fast wieder bei Null anfangen.“ Ein Senkrechtstarter, der schon auf der Abschussrampe stecken blieb. Bittere Erfahrungen. Statt vornedran hinterher. „Stück für Stück“ arbeitete sich Dufter zurück, beim Weltcup in Erfurt wollte er den Anschluss herstellen. Die Beine fühlten sich tatsächlich besser an, die Platzierung indes: medioker.

Langsam kommt vor seinem Fünfringe-Debüt der „richtige Spaß“ am Skaten zurück. Entspannt absolviert er wieder schnellere Runden. „Ich habe riesige Lust, zum Ballern auf dem Eis.“ Dazu will er jetzt noch am Start feilen. Um auf „seinen“ 1000 Meter abzuliefern. „Unter 1:09“ will er laufen, die Medaillen gingen aber mit „tiefen 8er-Zeiten weg“, glaubt er. Dh. ein Top-Ten-Platz scheint das Maß aller Dinge. Wäre ein Deal für den Olympia-Novizen.

Mit Moritz Geisreiter bewohnt Joel ein Zimmer im Dorf der Hochhäuser Gangneungs. Gut findet er, dass man länger schlafen könne – denn der Tag endet nicht vor Mitternacht. Am Anfang überwältigten die frischen olympischen Eindrücke, inzwischen pendelt sich „der Alltag“ ein. Fachsimpeln, spielen, reden, schreiben als Alternativ-Programm. Spazierengehen, die Stadt erkunden läuft nicht. Viel zu kalt, windig und damit risikoreich.

Im Vorfeld hatten Trainer und Sportler auch diskutiert, vielleicht wie 500-m-Vizeweltmeister Nico Ihle eine Spätanreise via Berlin – und vorher gemeinsam in der Heimat zu trainieren – zu erwägen. Aber dazu sind die beiden vom Corpus wie den Trainings-Spezifika (Umfänge, Geschwindigkeiten) zu unterschiedlich. Also ging jeder seinen Weg. Nico wählte eine deutliche spätere Anreise. Gemeinsam stehen sie zunächst bei der Sprint-Entscheidung am nächsten Montag auf dem Eis des Gangneung Oval. Joel will sich aber dann über 1000 m (23.2.) den Frust der letzten Wochen von der Seele laufen. „Ich bin wieder da.“