Starke Bianca – sichere Staffeln

Christin_in_Mixed_ZoneChristin Priebst zieht Bilanz.
Foto: DESG-Presse
Heiße Rennen, coole Typen – der Auftakt zur Europameisterschaft der Shorttracker hatte es in sich. Auf der ersten Mehrkampf-Distanz über 1500 m lief es für das deutsche Einzelstarter-Quartett nicht gerade optimal, in der Staffel behielten die DESG-Teams kühlen Kopf.
Die längste olympische Distanz stand als erste auf dem Programm der EM-Mehrkämpfer – und ausgerechnet einer, auf den mancher sein Geld verwettet hätte, flog über seine Lieblingsstrecke gleich raus: Paul Herrmann scheiterte als Dritter. „Weil er nicht locker war und zu viel Energie verbraucht hat“, stellte Bundestrainer Mike Kooreman fest. Vladislav Bykanov, der für Israel startende gebürtige Russe, suchte sein Heil im Angriff, der Sachse hielt mit hohem Kraftaufwand dagegen, beide wechselten mehrfach die Führung. Lachender Dritter war der Italiener Yuri Confortola, der sich das von hinten anschaute und kurz vor Schluss an beiden vorbeizog. So schnell geht’s im Shorttrack.

Robert Seifert (Vorlaufsieger auf den ungeliebten dreizehneinhalb Runden) sowie Bianca Walter und Christin Priebst (jeweils Zweite) rückten sicher ins Semifinale ein.
Mehr war dort aber nicht drin. Wobei: „Ich war fast dran“, so Christin Priebst, die mit Trainingsrückstand anreiste, weil sie sich vor drei Wochen beim Fußballspielen den großen Zehen brach. Bei ihrem Angriff auf Platz 2 verhakte sie sich mit Cecilia Maffei (Italien), „das hat mich ausgehoben und die Lücke konnte ich nicht mehr schließen“. Auch Bianca Walter schlug sich (als bessere Kurzstrecklerin) überaus tapfer, wurde Vierte im Semifinale – und in der 1500-m-Endabrechnung gute Achte, Christin Priebst Elfte. Robert Seifert blieb auf der zweiten 1500-m-Tortur chancenlos. „Ich bin Sprinter und hatte einfach keine Körner mehr. Aber am Samstag über die 500 m will ich ins Finale, Ziel ist eine Medaille.“ Der erste Etappensieg bei den Frauen ging an die bestens aufgelegte Titelverteidigerin Ariella Fontana, ihre italienische Kameradin Martina Valcepina wurde Dritte, Silber bekam die Niederländerin Jorien ter Mors umgehängt. Sjinkie Knegt als Erster und Niels Kersthold (Dritter) machten das Oranje-Glück perfekt, Zweiter wurde der Russe Semen Elistratov.
Dann wurden die Staffel-Vorläufe aufgerufen. „Eigentlich sollte das Weiterkommen kein Problem sein, aber Teamläufe haben eigene Gesetze. Da wachsen manche über sich hinaus, so wie wir vor zwei Jahren, als wir Europameister wurden“, so Christin Priebst. Zusammen mit Julia Riedel, Elisa Lenke und Bianca Walter aber war die Furcht unbegründet. Die Weißrussinnen hingen von Beginn an hinterher, zwei Runden vor Schluss erhöhte Bianca das Tempo – Platz 1 vor Russland. „Das hat sich locker angefühlt, nach ein paar Runden war die Aufregung weg. Und wir wissen, woran wir noch feilen können: die Routine fehlt uns noch und bei den Wechseln gibt es Reserven“, ist Julia Riedel heiß aufs Halbfinale am Samstag – gegen Italien, Polen und Ukraine.
Frankreich, Tschechien und Bulgarien waren die Gegner für das Quartett Daniel Zetzsche, Torsten Kröger, Robert Becker und Paul Herrmann. Die Bulgaren rannten fast die gesamten 45 Runden lang hinterher, die Tschechen mussten nach der Hälfte der 5000 Meter die Waffen strecken. Frankreich kam knapp vor Deutschland ins Ziel. „Ja, das war gut und hat Spaß gemacht“, so Zetzsche, für den die EM den ersten Staffeleinsatz des Winters bedeutete. „Beim Ablösen können wir noch Zeit gut machen, aber sonst läuft es prima.“ Auch Paul Herrmann, der Enttäuschte dieses ersten Tages, konnte wieder ein bisschen lächeln. Staffel bleibt eine deutsche Domäne. Auch bis Sonntag?

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