Keine Seifert-Oper: Drama vor dem Ziel

Dobrý den und herzlich Willkommen an Tag 2 der Mistrovství Evropy (Europameisterschaft). Einige Hundert Zuschauer fanden den Weg in die im Zentrum der Stadt gelegene Halle und produzierten einen Höllenlärm, vor allem wenn die tschechischen Kurvenkratzer um Spitzenpositionen fighteten. 500 Meter, das bedeutet: hitzige Starts und Kämpfe um beste Ausgangslagen in der ersten Kurve. Kein Taktieren, kein Spekulieren – nur Gas geben. So wie Robert Seifert, der mit seinen bewährten Top-Starts beide Vorrundenläufe, anschließend die Viertel- und Halbfinals gewann. Und ein dramatisches Finale erlebte. Aber dazu später…

Paul Herrmann, mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch nach dem missglückten 1500er am Freitag, bereitete seine Angriffe klug vor und schaffte es durch die Vorläufe ins Viertelfinale. Bianca Walter wurde nur durch eine unsanfte Berührung kurz gebremst, die Gegnerin wurde bestraft und die Dresdnerin kam als Zweite weiter. Christin Priebst, die sich selbst als „eine der schlechtesten Sprinterinnen der Welt“ bezeichnet, kam immerhin in Runde zwo, „aber mit der Zehenverletzung geht am Start nichts und die Lücke kannst du auf 500 Meter nicht mehr schließen“.
Zwischen den Rennen mussten die DESG-Asse noch kurze Interview auf dem ARD-„Presenter“ (der kleinen TV-Bühne an der Ziellinie) oder in der Mixed Zone geben – aufgrund einer Übertragungslücke (Nebel beim Snowboard-Weltcup) mussten die TV-Leute umplanen, bekamen einen zweiten Shorttrack-Block – und die Sportler zogen gerne mit. Wann wurde diese Sportart so gut in Szene gesetzt? Die frühere Eisschnelllauf-Sprintweltmeisterin Franziska Schenk als Moderatorin schnappte sich kurzerhand die mit Metall-Fingerkuppen besetzten Shorttrack-Handschuhe und hielt sie in die Kamera. Zwischendrin wurden die erfolgreichen Läufe der Germans gezeigt. Bianca und Paul rückten bis ins Halbfinale vor, „aber dann war ich leer“, so die sympathische Dresdnerin. Kamerad Herrmann hatte im Fünferpack, ganz außen startend, keine Chance. „Platz 8 verfolgt mich“, resümierte Bianca Walter ihren zweiten Einzel-Auftritt bei dieser EM, und hofft auch beim „Tausender“ am Sonntag mindestens „aufs Viertelfinale“.
Robert Seifert musste sich im Endlauf gegen die Briten Jon Eley und Jack Whelbourne sowie den starken Russen Vladimir Grigorev erwehren. Natürlich ging er gleich an die Spitze, wurde aber in einem enorm rasanten Rennen auf Platz 4 durchgereicht. Dann fightete sich der Bundeswehr-Sportsoldat wieder bis auf Rang 2. „Ein verrücktes Rennen, eine permanente Schubserei. In der letzten Runde waren die Plätze eigentlich vergeben, ich war Zweiter. Und trat plötzlich in einen Krater und ich rutschte raus.“ 15 Meter vor der Ziellinie krachte Seifert in die Bande, der Russe gewann. „Finals sind einfach ein anderes Parkett und vielleicht bin ich einfach noch nicht so weit“, resümierte er sichtlich enttäuscht, während die drei Konkurrenten ihre Medaillen abholten. Seiferts Hoffnung: „Morgen ins Finale über 1000 Meter, dann laufe ich vielleicht auch das Superfinale.“

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