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Julia und Bianca freuen sich auf die WM, Elisa drückt die Daumen. Foto: DESG-PresseDas ist die Vision, die deutsche Shorttracker nur in ganz optimistischen Träumen haben. Finalteilnahme, Griff nach den Medaillen, auf höchstem Niveau eigentlich nur Koreanern, Kanadiern, Amerikanern vorbehalten. Aber Robert Seifert, 1,80 Meter geballte Energie aus Dresden, setzte alle Pläne um, schob sich unaufhaltbar in den A-Lauf im Sprint von Dordrecht. Und stürzte in vorderer Position – einmal wieder. „Meine vierte Holzmedaille.“ Aber der 23-Jährige überwand den Frust schnell. „Ich wollte hier gewinnen, also musste ich reinhalten.“
Wäre durchaus möglich gewesen. „Er ist einer der besten Sprinter der Welt“, bestätigte Bundestrainer Kooreman, der Amerikaner machte ein leicht süßsaures Gesicht. Hier wäre Weltcup-Gold möglich gewesen, welches Fanal für das deutsche Short Track. Robert meint: „Ich habe es mir für die Weltmeisterschaft aufbewahrt.“ Zwar Platz 4, aber dennoch ein MegaSchub an Motivation. Die DESG darf auf das WM-Podium im Einzel hoffen, das ist die elementare Erkenntnis von der Kurzbahn zwischen den Grachten. Über die riesige Anzeigetafel des Sportboulevard in Dordrecht flimmerten nonstop Twitter-Meldungen (auch auf Deutsch), derer sich die Veranstalter direkt von den Verbänden und anderen Usern bediente. Das Weltcupfinale ging mit der Zeit, dazu Techno aus den Lautsprecher-Boxen, Go-Go-Girls trotzten mit bloßer Haut den tiefen Temperaturen. Wenn sich das deutsche Kufenkratzer-Mekka Dresden für einen Weltcup im nächsten Winter bewirbt und 2014 wieder Europas Elite begrüßen darf, will man sich am Standard in der holländischen Hafen- und Industriestadt orientieren. Sportlich brachte die Generalprobe vor der WM ein Wechselbad der Gefühle. Von der deutschen Delegation (6 Herren/4 Frauen) werden inzwischen Top-Ten-Resultate erwartet, als logische Folge einer konsequenten Entwicklung und der starken ersten Saisonhälfte. Und schon am Morgen nach dem denkwürdigen 5000-m-Staffel-Halbfinale der Herren, als der kämpferische Einsatz – nach Sturz – nicht belohnt wurde, herrschte wieder Zuversicht. „Man sieht, dass es sich lohnt, auch in auswegloser Situation reinzuhalten“, so Robert Seifert beim leckeren Kaas-Snack im Postillion-Hotel. B-Final-Teilnahmen von Julia Riedel (1500 m) und Bianca Walter („früher verlor ich drei Runden vor Schluss den Kontakt zu den Besten, jetzt kann ich bis zum Ziel dran bleiben“) über 1000 m und ein Platz im C-Lauf (500 m) bestätigen den Aufwärtstrend bei den Frauen. Auch Christin Priebst, für die WM nominiert, unterstrich ihre steigende Saisonform. Bei den Herren schmerzt der Verlust des Relay-Tickets für Shanghai. Aber 2011/2012 ist ein Aufbau- und Zwischenjahr. „Wir wollen beide Teams zu Olympia bringen“, betonte Matthias Kulik (Teamleader) – mit Betonung auf „beide“. Auch der Staffel der Frauen fehlte manchmal nur ein Wimperschlag, etwas Fortüne, zu einer vorderen Platzierung. Und was ist mit Paul Herrmann los, zeterten manche vor Dordrecht. Der Dresdner, mit bekanntem Weltkampfbart („kommt hinterher wieder weg“) sprach selbst von „müden Beinen“, für die es keine echte Erklärung gäbe. Dann kämpfte sich der 1500-m Spezialist über 500 Meter auf beeindruckende Art Runde um Runde bis auf Platz 8. Bundestrainer Mike Kooremans Empfehlung: „Just skating.“ Das sei’s: einfach laufen, Kopf ausschalten. In Anlehnung an ein legendäres Fußball-Zitat darf man texten: ”Entscheidend ist auf dem Eis…“ Robert Becker setzte seine „Aufholjagd“ Richtung Weltspitze (7. über 1000 m) fort. Unaufgeregt, aber zielstrebig schaffte er es bis in die Vorschlussrunde. So steht der 24-jährige seinen Mann auch in der Staffel. Das Quartett beendete die drei ST-Tage in Südholland mit Rang 3 im „kleinen Finale“ über 5000 m. Für den völlig platten Robert Becker war Daniel Zetzsche zum Einsatz gekommen. Die Zeit von 6:55,36 Min. sorgte für gute Stimmung auf der Tribüne beim DESG-Anhang.
Ergebnisse
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