FanshopHup Holland Hup. Foto: DESG-ArchivIn Amsterdam wird mächtig auf die PR-Pauke gehauen – damit die Allround-WM nicht im nacholympischen Nirwana versinkt. Aber diese Gefahr droht sicher nicht - im Mutterland der Schaatser, die 20 Medaillen aus Korea mitbrachten und soeben bei der Sprint-WM in China erneut ihre Ausnahmestellung auf den Eisflächen der Welt dokumentierten. Und nun das Heimspiel mit besonderer Brisanz. Im altehrwürdigen Olympiastadion von 1928 geht es um die Titel in der urniederländischen Sportart, dem Vierkampf. Die „coolstebaanvannederland“ begrüßt die besten Alleskönner unter freiem Himmel. Die DESG wird vertreten durch Claudia Pechstein und Gabi Hirschbichler. Bei den Herren kommt Moritz Geisreiter aus Inzell zu einem für ihn nicht sonderlich häufigen Start über die vier Strecken.

Am Freitag und Samstag stehen für die Eisschnellläuferinnen die Strecken 500 m und 3000 m auf dem Programm. Am Samstag entscheiden die 1500 Meter, wer auf den abschließenden 5000 m (die besten Acht) nochmals intensive Runden drehen kann. Die Skater-Herren sind am Samstag und Sonntag (u.a. die 10 km) an der Reihe.

Wer gewinnt? Keine Gretchenfrage: die Oranjes, wer sonst? Ireen Wüst gewann sechsmal den Großen Vierkampf und kommt medaillen-dekoriert ins Olympiastadion Amsterdam, wo die Helden von Gangneung letzte Woche mit Stolz und großem Aufwand gefeiert wurden. Mittendrin Sven Kramer, der den neuerlichen 10-km-Crash von den Winterspielen mit seinem zehnten WM-Titel vergessen machen möchte. Für Team D ist die Teilnahme am letzten Rennen die Herausforderung. Claudia Pechstein, am letzten Wochenende nationale Meisterin in Erfurt geworden, postete Bilder aus der Betonschüssel mit der Eisfläche im Innenraum. Im Jahr 2000 gewann die heute 46-Jährige den Allround-Titel in Milwaukee.

Die Veranstalter empfehlen eine Anfahrt mit dem Zug bis zur „Station Zuid“. Oder via Metro. Von dort geht es vorbei an unzähligen Verkaufsständen (Schals, Hüte, Hemden – durchweg in Orange) zu den Eingängen in die Arena. Auch in Amsterdam kehrt am Wochenende der Frühling ein. Temperaturen im zweistelligen Bereich dürften den Verkauf von Heineken-und Amstel-Bier massiv ankurbeln. Auf dem Eis müssen sich die WM-Aspiranten mit ungewohnten Böen, womöglich Regen und schwierigen äußerlichen Bedingungen abfinden. Ein Anachronismus vielleicht, aber reizvoll. Vor allem für die einheimischen Fans, denen die Saison kaum lange genug dauern kann. Doch auch Nicht-NL-Starter dürfen sich auf eine herzliche Atmosphäre freuen. Sympathisch: ein soeben ausgestrahlter Streifen über Gunda Niemann-Stirnemann, die 1998 in Heerenveen (mit einem 3000-m-Weltrekord) Gold holte. „Das Publikum war so fair und summte bei der Siegerehrung die deutsche Hymne mit“, wird die heute 51-Jährige zitiert. Die Erfurterin schrieb sich achtmal in Goldene Buch der Allrounderinnen ein.