Im Shorttrack-Theater von Dordrecht mit der Kulisse vor insgesamt 12 000 Zuschauern an drei Tagen spielte das DESG-Team keine Hauptrolle. "Susanne, Susanne" hieß der Hit der Veranstaltung. Für Spannung beim Heimpublikum sorgte die Favoritin, die 21 Jahre alte 1000 m-Olympiasiegerin Suzanne Schulting", bis sie das ersehnte Allround-Gold in Empfang nehmen konnte. Die niederländische Sportlerin des Jahres gewann holte Einzelgold nur über 1500 m, kam über 500 m auf Rang vier und verpasste auf ihrer olympischen Goldstrecke 1000 m durch einen Penalty alle Punkte. Mit dem Sieg im 3000-m-Superfinale stürmte sie dann zum ersehnten Titel. Das EM-Gold widmete Schulting ihrem mit schweren Brandwunden im Krankenhaus liegenden "Shorttrack"-Bruder Sjinkie Knegt. Trotz seiner Abwesenheit war der Titelverteidiger von Dresden stets anwesend. Über Social Media erhielt er täglich "Sjinkie-Genesungswünsche" der 3000 Zuschauer als Videoclip ins Krankenhaus gesendet.

Vielversprechend mit Podiumplätzen im Weltcup war Anna Seidel in die nacholympische Saison gestartet. So hätte die Dresdnerin gerne weitergemacht. Doch in Dordrecht hatte sie Pech. Über 1500 m stürzte sie im Viertelfinale. Eine Schlittschuhkufe war stumpf geworden, so dass sie sich nicht mehr halten konnte. "Ich weiss nicht, was da passiert ist", sagte sie. Zufrieden war sie mit dem siebten Platz über 500 m. "Diese Strecke  ist eigentlich zu kurz für mich", meinte sie. Über 1000 m wollte die Olympiateilnehmerin ihre Stärke zeigen. Doch das Viertelfinale endete dramatisch. Anna stürzte und erhielt einen Penalty. Aus der Medaillentraum. "Anna ist manchmal sehr nervös. Sie macht sich zu viel Druck im Kopf. Sie schraubt die Erwartungen selbst hoch, aber auch von außen wird von ihr mehr erwartet. Dabei hat sie sich seit dem Winter sehr verbessert. Vor EM-Beginn hatte sie noch eine Erkältung. Ich weiß nicht, ob das hier noch eine Rolle spielte", meinte Heimtrainer Daniel Zetzsche. So kam die blonde Sächsin in der Gesamtwertung nach drei Strecken auf Rang 13 .

Sechste wurde die deutsche 3000-m-Damenstaffel mit den Dresdnerinnen Anna Seidel, Bianca Walter, Gina Jacobs und Anna-Katharina Gärtner. "Wir wollten das Halbfinale erreichen und es auch gewinnen", sagte Bianca Walter.  Mit 28 Jahren mittlerweile die "Seniorin" strahlte in Dordrecht. Es war nach langen Verletzungsproblemen ihr erster wirklicher Wettkampf seit den Olympischen Winterspielen im Februar 2018. "Ich bin froh, pünktlich fit geworden zu sein. Im Trainingslager bin ich erst wieder schnelle Runden gelaufen. Wir hatten für die Schnelligkeit ein Trainingslager mit den Polen arrangiert " sagte sie. Nach zwei schweren Knieverletzungen in kurzer Zeit hofft Bianca Walter in Zukunft vom Verletzungspech verschont zu bleiben. "Ich habe manchmal gezweifelt, ob ich den Anschluss wieder schaffen werde. Es war ein harter Weg zurück. Jetzt klappt es wieder und das Shorttrack macht mir so viel Spaß", meint Bianca. Den neuen Bundestrainer, Stuart Horsepool, muss sie noch richtig kennenlernen. Durch ihre Verletzungen verpasste sie das erste Training unter seiner Leitung.

Ein positives Erlebnis erlebte Christoph Schubert über 1500 m. Er erreichte das B-Finale und wurde insgesamt 13.. "Ich hätte nicht gedacht, so weit zu kommen. Das harte Training hat sich gelohnt. Ich habe einen Sprung nach vorne gemacht. Der neue Bundestrainer hat Training sehr verändert. Es ist intensiver. Für den internationalen Anschluss brauchen wir jedoch Zeit", erklärte Schubert. Über 500 m kam der Sachse auf Rang 23, über 1000 m auf Platz 20, was Rang 17 unter den 44 Startern ausmachte. EM-Debütant Adrian Lüdtke aus Rostock kam nach drei Strecken auf Platz 34.