AnnaDDAnna: Daumen drücken für die Handball-Helden. Foto: Robert MichaelNicht unerwartet, aber logisch. Die Handball-Begeisterung hat auch das Shorttrack-Eldorado Dresden erfasst. Anna Seidel verfolgte die Spiele von Gensheimer und Co. regelmäßig und ließ sich von der Euphorie elektrisieren. “So cool und diese unglaubliche Stimmung in den Hallen.” Zu gerne hätte die zweifache Olympia-Teilnehmerin eine Partie in Köln verfolgt, aber es gab keine Karten. “Und schön, dass die Deutschen so weit kamen.” Fast die ganze Nation fiebert derzeit mit – und vielleicht erlebt Anna am kommenden Wochenende in ihrer Heim-Arena an der Elbe ein kleines Stimmunghoch: schließlich wird der Sport in Schräglage nirgendwo besser zelebriert, weiß die 21-Jährige mehr Fans auf ihrer Seite. “Auch deshalb freuen wir uns enorm.” Heiße Weltcupkufen sind auch ein Bringer.

In der letzten Woche plagte eine Erkältung die Dresdnerin, jetzt kann sie wieder durchtrainieren. Und wie. Der neue Bundestrainer Stuart Horsepool verlangt größere Umfänge. Sechs bis acht Stunden dauern die Einheiten, dazwischen bekommt der Körper Ruhephasen. “Wir haben uns daran gewöhnt”, so Anna, “sind physisch stärker geworden.” Und alle Ansprachen erfolgen auf Englisch. Pay attention, boys and girls...

Anna Seidel war mit einem zweiten Platz (beim Weltcup in Salt Lake City) in den nacholympischen Winter gestartet. Nach der langen Wettkampfpause im Dezember sollte die EM als Katapult dienen. Platz 7 über die für sie eher kurzen 500 Meter, Stürze verhinderten auf den beiden langen Strecken, sonst ihr Ding, das Weiterkommen. Sie hofft, ihr Malheur- und Pech-Potenzial für diese Saison damit aufgbraucht zu haben. In Dresden will sie ein Finale erreichen, am liebsten auf der 1000-m-Distanz. “Und wir haben gezeigt, was in der Staffel geht.” In Dordrecht wäre mit etwas mehr Fortüne das A-Finale möglich gewesen. “Aber jetzt sind wir eingespielter und müssen eben jeden Fehler vermeiden.”

Auch das Leben außerhalb der Bande verläuft für die deutsche ST-Vorzeigesportlerin in anderen Bahnen. Sie gehört der Bundeswehr an, im Frühjahr beginnt die vierwöchige Grundausbildung. In Uniform anstatt dem engen Rennanzug, “das ist für mich nicht nur eine tolle Unterstützung, sondern auch Abwechslung”, um sich mit BW-Absolventen aus anderen Sportarten auszutauschen. Zum Beispiel über das straffe Zeitmanagement als Studentin. Sie hat ein Fernstudium in Betriebswirtschaft und Managment begonnen. Die erste Prüfungsphase steht bevor. Aber immerhin muss sich Anna nicht mehr ultrapünktich im Sportgymnasium einfinden. Wäre auch schwierig angesichts des erweiterten Trainingsplans auf dem Eis und den Rendezvous’ mit den geliebten Martergeräten im Kraftraum.