Teamsprint 2 ChEineckeIhle, Ihle, Dufter: schnelles Trio auf Platz 4.
Foto: CEPIX/Christian Einecke
Nicht weiter erstaunlich, der Auftakt der ISU World Championships in Inzell. Sieg I im Teamsprint der Frauen an Oranje, Sieg II bei den Herren auch an die Niederlande. Da gerieten die zahlreihen NL-Fans unter den 2200 Zuschauern, wie immer originell kostümiert, schon mal aus dem Häuschen. Oder anders ausgedrückt: Business as usual. Eisschnelllaufen wird auf einer 400-m-Bahn betrieben und am Ende gewinnt immer Holland. Die DESG-Athleten beendeten den attraktiven Mannschaft-Wettbewerb als Vierte. Wie kürzlich die deutschen Handballer. Und auch da wechselten Enttäuschung und Zufriedenheit einander ab. Die Holzmedaille ist auch im waldreichen Chiemgau beim Blick auf den Medaillenspiegel für die Katz, aber nur vier Zehntelsekunden vom Podest entfernt zeigt, wie nahe Denny Ihle, Nico Ihle und Joel Dufter der Weltspitze auf den Fersen sind.

Also ein guter Auftakt. Denny, kurz vor der WM erst ins Team gerückt, meinte, man habe insgeheim schon mit mehr „geliebäugelt – gerne wären wir Dritter geworden“. Logo: Aber jetzt drückt der Chemnitzer den Sprintkollegen für die nächsten Wettbewerbe im Einzel die Daumen. „Das ist ein prima Einstieg für die Jungs.“ Bruder Nico nannte es ein „klasse Warm Up mit schnellen Runden“. Und das natürlich ohne intensives spezifisches Training. „Deshalb können wir hier noch drauflegen“, befand Lokalmatador Joel, der die letzte Runde lief. Er nennt das Format „spannend, mit schönem Charakter“. Vielleicht rückt der Team Sprint ja noch ins olympische Programm auf, man diskutiert darüber. Wäre gut für die deutschen Skater, das könnte mal eine echte „Medaillen-Disziplin“ werden. Denn beim Blick auf die (niederländische) Siegerzeit befand das Trio: „Da waren wir schon deutlich weiter weg.“ Dem Publikum gefiel es auch. „So eine Stimmung und so viele Leute, ordentlich für einen Donnerstag“, beeindruckten Joel Dufter.

Die Fans feierten auch Martina Sáblíková. Wie so oft in der Vergangenheit in Inzell. Im 3000-m-Lauf beendete die inzwischen 32-jährige Tschechin die niederländische Siegesserie – und bedankte sich bei den zahlreichen Fans aus

der Heimat. Mit ihrem 18. WM-Titel (Siegerzeit 3:58,91 Minuten) schrieb Martina, die seit 20 Jahren auf den Kufen steht, Geschichte. Für Roxanne Dufter endete das erste WM-Rennen auf der heimischen Bahn nach 4:09,07 Minuten mit Rang 16. Claudia Pechstein hatte auf einen Start verzichtet.

Patrick Beckert wollte im Rennen über 5000 Meter sein Olympia-Resultat von 2018 (Zehnter) toppen, die Zugehörigkeit zur Weltelite über die langen Kanten („seit sechs Jahren“) unterstreichen und sich für die 10 Kilometer in Position bringen. Das gelang dem Thüringer mit Rang 6 – beim Sieg des Norwegers Pedersen – in 6:15,76 Minuten. Gestartet im letzten Paar, schaltete er die Top-Leistungen der Konkurrenz aus. „Es ist egal, wann und gegen wen ich antrete. Ich habe jene Zeit im Kopf, die man laufen will.“ Und jetzt hofft er auf der doppelt so langen Distanz am Samstag noch weiter nach vorne zu kommen. Möglich ist das, auch wenn die Konkurrenz aus den Niederlanden, Russland und Kanada „hier topfit“ am Start steht. Seine finale Vorbereitung: Radfahren auf der Rolle, kein Eistraining. „Und den Ball flachhalten“, sagt er. 25 Runden sind das schiere Martyrium. Aber Patrick gewann schon zweimal WM-Bronze über die Monster-Distanz. 2015 und 2017.