Nico 500 m WM InzellNico mit Superzeit 11. über 500 m.
Foto: CEPix/Christian Einecke
Da steht er nun, der große Mann der deutschen Eisschnelllaufen-Szene. Erst vor den TV-Kameras im Innenraum der Max-Aicher-Arena, dann in der Mixed Zone einem Pulk fragender Journalisten gegenüber. Und Nico Ihle erklärt bis ins Detail, was da passiert war. Dass er zwar enttäuscht ist. Mit Platz 11 in 34,69 Sekunden, Saisonbestzeit und trotz seiner schnellsten jemals in Inzell gelaufenen Runde. „Wahnsinnig, dass die Sprinter in einer nacholympischen Saison noch stärker sind.“ Und zum Beispiel der große russische Dominator Pavel Kulizhnikov von zwei Landsleuten auf den Plätzen 1 und 3 durchgereicht wurde. „Nicht vorhersehbar“, beschreibt der 33-jährige Chemnitzer die Show der Allerschnellsten. „Es gibt mehr Sprinter als Startplätze.“ Polen, Norweger, Japaner, Kanadier, Russen, Koreaner – alle mit dem Tempo-Gen ausgerüstet.

Das Nico auch besitzt. Er habe das höchste Tempo in diesem Winter hingelegt, er erkannte nur einen klitzekleinen Fehler in der zweiten Kurve. War im Angang schneller denn je. Doch die Leistungsdichte schrieb ihre eigenen Gesetze bei der ultraschnellen WM – 26 Hundertstelsekunden schneller, und Ihle wäre ein Podestkandidat gewesen. Daraus bezieht der Vizeweltmeister von 2017 Zuversicht für den Start am Samstag über 1000 Meter. Viele Sprint-Kontrahenten würden da gar nicht mitmischen – oder seien weniger hoch einzuschätzen. „Ich freue mich jedenfalls, nochmals starten zu dürfen. Ich fühle mich top und will das zeigen.“ Über die längere Distanz könne er in der zweiten Runde etwas draufsetzen. „Nichts ist unmöglich.“

Der Weltmeister Ruslan Murashov musste schon den Bahnrekord brechen, um in 34,22 Sekunden zu triumphieren. Bei den Damen pulverisierte Vanessa Herzog ebenfalls die Bestmarke: Nach 37,12 Sekunden war Österreichs Goldglück perfekt. Und viele Inzeller gönnten der sympathischen Tirolerin den Coup zum Beispiel contra Olympiasiegerin Nao Kodaira (37,20). Denn die neue Weltmeisterin verbringt pro Jahr rund 15 Wochen in Inzell, um sich vorzubereiten, hat hier viele Freunde und wird auch weiter zu Gast sein. Gabi

Hirschbichler gehörte zu den ersten Gratulanten – man kennt sich. „Super, was sie hier geleistet hat“, so die „Gastgeberin“, die ihre Karriere zum Saisonende definitiv beenden wird. Vorher aber stehen die 1000 m und 1500 m auf dem WM-Plan, dann die Sprint-WM in Heerenveen. Anschließend unterstützt sie die Eltern im heimischen Betrieb, einem Gasthof und einer Metzgerei.

Während in der benachbarten Alpenrepublik der „Inzell-Spuk“ Spuren hinterlassen könnte. Erstmals berichtete das Fernsehen live vom Eisschnelllaufen. Die WM sorgt für Nachhaltigkeit. Vielleicht auch in Deutschland. Die ARD erzielte ganz starke Quoten am Tag I, bis zu drei Millionen TV-Zuschauer interessierten sich für die Kufenjagden. Ein gutes Argument, zumal der Verband auf der Suche nach Partnern positive Signale erhielt.