Patrick 10 km Inzell LHPatrick: Der Moment der Entscheidung.
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Patrick Beckert saß im Innenraum der Max-Aicher-Arena auf einem Bänkchen, das sonst zum Umziehen dient. Jetzt glich es einem Wartezimmer. Das letzte Paar über die 10 000 m war unterwegs, sollte es Bronze oder Blech für den Erfurter geben? Dann Stille im fast ausverkauften Rund. Denn der Russe Danila Semerikov wurde mit der identischen Zeit gestoppt. 12:57,40 Minuten nach 25 Runden. Und nun? Patrick vernahm die Stimme des Sprechers vielleicht wie in Trance. Zwei Tausendstel (umgerechnet entspricht dies 2,7 Zentimetern nach 10 Kilometern) war der Konkurrent schneller. Aber kein ex aequo erfolgte, keine zwei Bronzemedaillen, wie der normale Menschenverstand wohl erwartet hätte. Als sich Patrick umgehend den Medienvertretern zur Verfügung stellte, liefen im Hintergrund die Bilder der Siegerehrung. Gut, dass sich der Unglückliche nicht umdrehte.

Dann sollte er seine Gefühle erklären. Nach einem „mega Lauf, einer Superleistung“ wie er befand. Aber wie sah es innen aus? Das wusste in diesem Moment nur Patrick, der daran erinnerte, seine beiden bisherigen WM-Bronzemedaillen erst in der letzten Runde und hauchdünn errungen zu haben. „Heute fehlte das Quäntchen Glück“, so der faire Sportsmann nach der besten deutschen Vorstellung bei dieser Heim-WM. Respekt und Hochachtung. „Das ist der Sport. Ich hatte mir den Lauf perfekt eingeteilt, eigentlich müsste es zweimal Bronze geben.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Nico: Karriere geht weiter

Am Tag X die beste Saison-Leistung abgeliefert zu haben, das gelang auch Nico Ihle. Achter über 1000 Meter in 1:08,40 Minuten. In der letzten Kurve zog ihn die Höchstgeschwindigkeit weit hinaus, der „Abfall“ in der zweiten Runde sei zu groß gewesen. Was Nico umgehend in den Findungsmodus leitete. „Wir waren die Saison über auf einem hohen Niveau. Aber die anderen konnten hier noch eins draufsetzen. Wir nicht.“ Statt Ärger darüber spürt er neue Motivation. „Es arbeitet schon in meinem Kopf, was man ändern muss. Am liebsten würde ich gleich in die Trainingsphase für die neue Saison einsteigen.“ Es gäbe „trainingsmethodische Dinge“, die zu ändern seien. Mehr die Höchstgeschwindigkeit üben, „um nicht im Wettkampf darüber zu erschrecken.“ Am liebsten würde er zusammen mit dem elftplatzierten Joel Dufter („mein Start hat mich viel gekostet und ich bin dann verkrampft“) vielleicht seinem Bruder Denny, Hendrik Dombek und Sportlern aus dem Junioren-Kader eine Gruppe bilden. Darüber wolle man reden. Das bedeutet faktisch: Nico Ihle setzt seine Karriere definitiv fort. Er will erleben, was die Modifikationen an den Stellschrauben bewirken…

Im 1000-m-Lauf der Damen setzte Gabi Hirschbichler ihre Abschieds-Vorstellung mit persönlichem Europarekord von 1:15,85 Minuten und dem 13. Platz fort. Respekt. Die Frage der „Süddeutschen Zeitung“, wer die Familie Hirschbichler künftig auf dem heimischen Terrain vertreten könne, aber konnte sie nur mit einem Achselzucken beantworten. „Da wird einige Zeit ins Land gehen.“ Auf der langen Damen-Distanz umarmte Claudia Pechstein am Ende Martina Sáblíková, die ihre zweite Goldmedaille gewann. Und die Zahl der Inzeller Bahnrekorde nach 6:44,85 Minuten weiter erhöhte. Während Rang 7 für die 46-jährige Berlinerin ein gutes Resultat darstellte. Mit der exakt gleichen 5000-m-Zeit (7:00,90) wie vor acht Jahren. „Das macht mich stolz.“