Keine Stimme mehr hatte Bundestrainer Stuart Horsepool in Sofia, als er am Sonntagnachmittag seine Schützlinge Anna Seidel und Adrian Lüdtke für ihre tollen WM-Rennen lobte. So sehr hatte der Brite die Seinen zuvor von der Bande aus angefeuert. "Ein siebter und zwei achte Plätze, das war eine Teamleistung. Alle, einschließlich aller Betreuer, haben daran ihren Anteil", sagte Horsepool. Und fügte hinzu: "Die Atmosphäre in der Gruppe ist sehr gut. Seit langem sind wir wieder im Lift.“

Die Dresdnerin Anna Seidel schaffte mit Platz elf nach drei Strecken ihr bisher bestes WM-Ergebnis. Über 1000 m wurde sie mit Platz zwei im B-Finale Siebte in der Streckenwertung. "Ich wäre über 1000 m gerne Sechste geworden. Ich merke, dass es knapp zum A-Finale ist. Es ist ärgerlich, dass ich im Halbfinale auf eine Konkurrentin aufgelaufen bin, was mich ausbremste. Ich habe daraus gelernt", resümierte die 20-Jährige. Über 1500 m hatte sie sogar das B-Finale gewonnen, was Platz acht bedeutete. Über 500 m war die Sächsin auf Rang 21 gelandet. "Ja, die 1000 m und 1500 m mag ich lieber, die 500 m weniger", gibt sie zu. Um zu lernen, schaut sie sich ihre Läufe möglichst sofort nach den Rennen an und gesteht dann auch Fehler ein. Anna Seidels WM-Fazit: "Ich habe viel gelernt und kann es in den nächsten Jahren noch besser machen.“ Auch Bundestrainer Horsepool erwartet noch viel von Deutschlands bester Shorttrackerin.

"Sie kennt ihre Möglichkeiten. Ein B-Finale bringt viel Druck. Sie sagt dann, dass sie müde sei. Ich sage ihr, dass alle Mädels müde seien. Etwas mehr als im Training. Anna hat einen starken Charakter und ist eine Persönlichkeit - wenn sie sich nicht gut fühlt, aber trotzdem weiterläuft. Sie lernt sehr viel über sich, auch wie weit sie sich puschen kann", so der Brite. Lobende Worte fand der Coach auch für den Rostocker Adrian Lüdtke. "Das ist seine erste Saison als Senior. Und er hat in seinen Läufen Olympiateilnehmer und Medaillengewinner hinter sich gelassen. Das Trainingsprogramm schlägt an. Aber es ist hart", weiß der Bundestrainer.

Der Rostocker erreichte sensationell das 1000 m-B-Finale und wurde in der Streckenwertung Achter, für seine Heimatzeitung, die „Schweriner Volkszeitung“ schon mal der „Wettkampf seines Lebens… "Das ist schon sehr überraschend und ein unglaubliches Gefühl“, so der Skater. „Das habe ich nicht erwartet. Ich bin ohne Erwartungen in den Wettkampf gegangen, wollte nur zeigen, was ich kann", erklärte Adrian. "Ich sehe jetzt, was möglich sein kann. Das Viertelfinale war läuferisch schon drin. Da probieren alle alles, um weiterzukommen. Darum will ich in den nächsten Jahren möglichst viele Viertelfinals erreichen", erläutert er. Über 1500 m hatte der frischgebackene Sportsoldat Rang 24, über 500 m Rang 30 belegt. Summa summarum Platz 15 in der Gesamtwertung nach drei Strecken.

Für den Coach ist Shorttrack ein „tougher“ Sport bei Weltmeisterschaften. "15 Starts an drei Tagen. Wir nutzen das Training intensiv für die Vorbereitung von Meisterschaften. Lernen, wie man gewinnen kann. Meine Aufgabe ist es, sie dafür klar zu machen", erklärt der Mann aus Nottingham. Auch DESG-Sportdirektor Matthias Kulik zeigte sich mit den Ergebnissen zufrieden. "Anna zeigt, dass sie auf dem Weg in die Weltspitze ist. Adrian hat einen Supereinstand gegeben.“ Das bedeutet: zwei Startplätze bei den Damen und Herren im nächsten Jahr. „Unser Ziel ist es auch, zwei Staffeln aufzustellen.“

Von der spärlichen Kulisse von täglich nur 300 Zuschauern - bei freiem Eintritt - in der riesigen Armeec-Arena, der größten Sporthalle Bulgariens mit einer Kapazität von 17 000 Plätzen, ließen sich die Sportler nicht beeindruckten. Der Männerwettkampf glich offenen südkoreanischen Meisterschaften. Bei den Damen sorgte Lara van Ruijven für das erste Oranje-Gold auf einer Einzelstrecke (500 m). Die deutschen Kurvenflitzer beenden ihren Winter am kommenden Wochenende mit den nationalen Titelkämpfen in Oberstdorf.