Günter TraubGünter Traub - auch mit 80 noch aktiv. Foto: HJ VIGNOLDAm 13. März feierte Eisschnellläufer Günter Traub in seiner Schweizer Wahlheimat St. Moritz seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar hat deutsche Sportgeschichte geschrieben. Nicht nur, weil er am vergangenen Wochenende in Leeuwarden (Niederlande) bei den Masters noch Sprint-Vizeweltmeister wurde und Mastersweltrekorde hält.

Die Eisstory begann vor 50 Jahren, als er als Rollschnellläufer gemeinsam mit seinem Bruder Jürgen und einigen anderen in Inzell auf dem Frillensee aufs Eis ging. “Wir wollten das Eisschnelllaufen aus seinem Dornröschenschlaf wecken”, erinnert sich der gebürtige Schweinfurter. Das gelang. Inzell entwickelte sich zum deutschen Eisschnelllaufzentrum. Und Traub wurde einer der Besten auf den langen Kufen.  

Als Eisschnelllauftrainer legte er die Grundlagen für spätere US-Erfolge wie Peter Muellers 1000 m-Olympiasieg 1976 in Innsbruck. 1975 wäre er beinahe Bundestrainer geworden. Als Personal Coach sorgte er für die körperliche und mentale Fitness der Formel 1-Piloten Niki Lauda, Michael Schumacher und Promis wie Herbert von Karajan, Rudolf Schenker (Scorpions), Spaniens Ex-König Juan Carlos und vielen anderen. Für seine sportlichen Leistungen wurde Traub vom Bundespräsidenten mit dem “Silbernen Lorbeerblatt” ausgezeichnet.

Als erster und bisher einziger Deutscher stellte er Weltrekorde im Eis- und im Rollschnelllauf auf. Auf dem Eis ist er der einzige Deutsche, der zwei Weltrekorde - 1963 in Madonna di Campiglio und 1968 bei der DM in Inzell - im Grossen Vierkampf schaffte. 1964 und 1968 (Innsbruck/11./ 5000 m und Grenoble/11./10000 m) nahm er an den Olympischen Winterspielen teil. Viermal wurde er deutscher Allround-Meister (1961, 1962, 1963 und 1968).

In der Szene wurde der Diplom-Sportlehrer bestaunt. Er wendete wissenschaftliche Methoden an, die er an der Sporthochschule in Köln kennengelernt hatte. 1967 erfand er das Gleitbrett, das heute weltweit fürs Imitationstraining benutzt wird. Der einteilige aerodynamische Kapuzenanzug und die unter den Schuhen verstellbaren Schlittschuhkufen kamen auch aus seiner Tüftelküche.

Ab 1969 arbeitete Traub als Trainer. Erst als US-Nationalcoach, wo er die späteren Olympiasieger Peter Mueller, Eric Heiden und dessen spätere Trainerin Dianne Holum betreute. Ein schwerer Unfall mit zahlreichen Knochenbrüchen veränderte 1969 sein Leben. Er wurde italienischer Landestrainer und schließlich gemeinsam mit seiner Frau Personal Coach. Trotz Arthrose im linken Hüftgelenk ist für ihn das Eisschnelllauftraining im hohen Alter das beste Anti-Aging-Programm. “Wenn auf dem Eis das fast schwerelose Dahingleiten gelingt, dann ist man dem Fliegen näher als dem Laufen”, schwärmt der Jubilar.