2019 11 10 3154Stefan Emele mit seiner DM-Goldmedaille. Foto: DESGphoto/Lars HagenGelegentlich klingt es wie ein Zauberwort. Inline-Speedskating. Es gibt Dutzende von Beispielen, wie die Jungs und Mädels mit den Rollen unter den Schuhen aufs Eis gewechselte sind – und dort relativ schnell Erfolge einheimsten. Ob Shani Davis, Vanessa Herzog, Francesca Lollobrigida oder Bart Swings, eine schier endlose Reihe. Jetzt sorgten die Internationalen Deutschen Eisschnelllauf-Meisterschaften für ein Signal auf hiesigen Bahnen. Mit Josie Hofmann und Stefan Emele holten sich zwei Ex-Skater den Titel auf den Kufen. Die 22-Jährige vom Eissportverein Erfurt im Massenlauf, der 23-jährige Hesse überraschte auf den 1500 Metern mit dem Gold-Coup.

Damit nicht genug. Mareike Thum (28), eine der höchstdekorierten Inline-Spezialistinnen, mehrfache Weltmeisterin und World-Games-Gewinnerin, belegte in Inzell die Ränge 3 (Massenstart), 4 (1500 m) und 6 (1000 m). Sie hatte schon an Trainings-Maßnahmen teilgenommen. Bei den Herren kiebitzte mit Simon Albrecht (24) ein weiterer Erfolgsverwöhnter auf Straße und Asphalt, schon mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet, auf dem 400-m-Oval.

Josie Hofmann hatte noch im Sommer eine EM-Medaille beim Inline-Skaten errungen. Bei über 30 Grad in Barcelona. In der Max-Aicher-Arena sind es nur wenige Plusgrade – aber das mache nicht den Hauptunterschied, erklärt die Studentin. „Auf die Technik kommt es an. Ein kleinster Fehler auf dem Eis ist unverzeihbar, das kann man bei uns eher ausgleichen.“ Erst seit Ende September steht sie in diesem Jahr auf Eis – will aber nun durchstarten. Das Ziel heißt Olympische Spiele – die Inline-Community blickt manchmal leicht neidisch Richtung Eisschnelllaufen, weil ihr Sport bislang nicht durch die fünf Ringe zischt.

Davon träumt auch Stefan Emele. Im vierten Jahr legte er sich in beiden Sparten ins Zeug. Holte im Sommer nationale Meistertitel auf Rollen, nahm an Weltmeisterschaften teil. „Aber jetzt will ich auf jeden Fall bis zu Olympia 2022 hier angreifen. DM-Gold („das Größte bisher in meiner Sportkarriere“) und -Bronze (Massenlauf) bestätigten in der Max-Aicher-Arena sein Können, Bundestrainer Danny Leger integrierte den tempoharten Bolzer in seine Trainingsgruppe. In Erfurt wird der Student aus Groß-Gerau von Andreas Behr betreut. „Er bringt Potenzial mit“, dessen Erkenntnis. Der junge Mann, seit dem 1. November bei der Bundeswehr-Fördergruppe in Oberhof, selbst ist „Feuer und Flamme“ für das Gleiten auf blitzblankem Untergrund, kann sich im Frühjahr aber auch Einsätze als Inliner vorstellen. Für Leger und Co. kein Problem. Inline-Einheiten gehören ebenso selbstverständlich zur Vorbereitung ihrer Kufenflitzer wie Rad-Touren und Hanteltraining.

Was in den Niederlanden und Belgien konsequent praktiziert wird, hält damit auch im deutschen Eisschnelllaufen verstärkt Einzug. Und „Spaß“ mache das Rundendrehen unter dem Dach sowieso, bestätigt Josie Hofmann - wie Stefan Emele im Moment vor allem „von Mama und Papa sowie den Großeltern“ gesponsort - trotz der kühlen Luft.