Christoph InterviewChristoph Schubert mit Franziska Schenk. Foto: DESG-PresseEin Märchen-Wintertag an der Elbe. Vor der Eishalle drehen die Eisläufer auf der Freiluftbahn unter strahlender Sonne ihre Runden. Drinnen haben sich noch mehr Fans versammelt – und sorgen mit ihren Ratschen für die stimmungsvolle Weltcup-Untermalung. In den Pausen lenken junge Kufen-Girls von klobigen Eis-Maschinen ab. Dresden, 2018 Ausrichter der Shorttrack-EM, versteht das Event zu zelebrieren. Die deutschen Athleten wurden von den 1900 Zuschauern bei den Weltcup-Entscheidungen lautstark unterstützt. Auf dem Papier aber bleiben die Daten überschaubar. Keiner erreichte ein A- oder B-Finale.

Anna im Getummel Camera4Anna wieder mitten drin.
Foto: Camera4/TW
Die Fragen waren natürlich da - und die Anspannung bei Anna Seidel offenkundig. Am Freitag-Nachmittag stieg die 18-Jährige wieder ins Wettkampf-Programm ein. Und zwar mit Erfolg. Der 2. Platz in ihrem Vorlauf über 1500 m sicherte die Teilnahme an der nächsten Runde, dem Halbfinale am Sonntag beim Weltcup in Dresden. Anna, die sich im Sommer beim Training einen Brustwirbel gebrochen hatte – der noch immer mit einer Schraube fixiert ist -  lief couragiert - die heimischen Fans empfingen sie mit herzlichem Applaus. Und auch den Verantwortlichen, bemüht, die Kurvenflitzerin etwas abzuschirmen, fiel ein Stein vom Herzen. Am gleichen Tag kam die Gymnasiastin im Team Relay über 3000 m zum Einsatz, ein unglücklicher Sturz von Tina Grassow aber, stoppte das gut gestartete Quartett.

BMS 4232Diskussionsrunde mit u.a. Hajo Seppelt und Robert Bartko. Foto: Jens KörnerDie Frage des im ganzen Land beachteten traditionellen „Stuttgarter Sportgesprächs“ konnte erschrecken. „Ist der saubere Sport noch zu retten?“ Nein, ist man – nach den Erkenntnissen des Mc-Laren-Reports – geneigt, spontan zu entgegnen. Doch die Referenten, zu denen DESG-Sportdirektor Robert Bartko gehörte, kamen zu einem etwas anderen Schluss. Unter gewissenen Bedigungen, internationalen Anstrengungen und viel Eigeninitiative muss die Flinte nicht ins Korn geworfen werden.

Positive Neuigkeiten aus dem Short Track-Lager: Anna Seidel feiert bei ihrem Heim-Weltcup am Wochenende in Dresden nach längerer Verletzungspause ihr Comeback. Die 18-Jährige wird auf der insgesamt zwei Mal ausgelaufenen 1500 Meter-Distanz zum Einsatz kommen - einmal davon ausgestattet mit einer Wildcard, die zum direkten Start in der Weltcup-Session berechtigt. "Beim zweiten Wettkampf über 1500 Meter wird Bianca Walter mit einer Wildcard gesetzt sein. Anna hat aber natürlich die Möglichkeit, sich ebenso zu qualifizieren. Wir müssen uns bewusst sein, dass sie erst wieder ins Geschehen einsteigt. Wir sind gut beraten, die Erwartungshaltung realistisch zu gestalten", sagt Junioren-Bundestrainerin Diana Scheibe, welche die Nationalmannschaft beim Weltcup in Dresden betreuen wird. Anna Seidel selbst sieht im Comeback vor heimischer Kulisse Vor- und Nachteile. "Natürlich ist es toll, den ersten großen Wettkampf nach der Verletzung im Beisein meiner Familie und meiner Freunde bestreiten zu können. Ich bin mir allerdings auch bewusst, dass die Erwartungshaltung nach der letzten Saison groß ist und ich Geduld haben muss."

Bente jubelBente jubelt über ihre beste Berliner Zeit. Foto: DESGphoto/Lars Hagen3500 Zuschauer lockten die drei Eis-Tage ins Sportforum. Sie bekamen Leistungen geboten, die einer WM reif war. Knapp zwei Wochen vor dem Saison-Highlight in Korea präsentierten sich viele Skater schon in optimaler Form.  Das ZDF berichtete an drei Tagen, das Medienzentrum erlebte den größten Andrang bei einem Weltcup in Hohenschönhausen. Da wurde auf niederländisch, finnisch, polnisch, japanisch oder englisch übermittelt. Aus dem Skating-Hot Spot Berlin. Die Deutschen gewannen durch Nico Ihle zwei Medaillen in Gold und Bronze, die Verantwortlichen in Person von Bundestrainer Jan Van Veen hatten sich „zuhause“ dennoch mehr erwartet. 

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