Nico in der KurveNico: "Ich bin bereit!"
Foto: Martin de Jong
Wer häufig zu Olympischen Spielen reist, kann Geschichten erzählen. In Vancouver, erinnert sich Nico Ihle, „waren die Leute sehr nett. Eine tolle Stadt.“ Seine ersten Spiele damals im Februar 2010 an Kanadas Pazifikküste brachten Position 25 über 1000 m in 1:11.04 Sekunden. Vier Jahre später am Schwarzen Meer von Sotschi empfand der Chemnitzer manches als „militärisch, aber sehr gut organisiert“. In 1:08,89 (unmittelbar vor Samuel Schwarz) verfehlte er als Vierter das Podium um 12 Hundertstelsekunden. An Koreas Ostmeer geht es „schon bei den Kontrollen lockerer zu. Im Olympischen Dorf passt alles.“ Aber was geht am Freitag auf der längeren Sprintstrecke? Ihle prognostiziert eine „mittlere 1:08“ für eine Medaille. Top-Favorit Kjeld Nuis, bereits Olympiasieger über 1500 Meter, traut er sogar eine „07“ zu.

Bibi TeamDAdvantage Bibi. Foto: DESG-PresseShort Track in der Gangneung Ice Arena, das ist ein Vabanquespiel. Nichts für schwache Nerven. Fast wie Russisch Roulette, nicht so martialisch, aber mit oft unvorhersehbarem Ausgang. Mittendrin in dieser Spirale der Ekstase: die deutschen Kurvenflitzerinnen Bianca Walter und Anna Seidel, beide im manchmal unsichtbaren Dunstkreis der Entscheidungen bevor– und benachteilt. Die 19-Jährige EM-Dritte von Dresden musste über 1000 m einen Penalty akzeptieren. Aus der Traum von Erfolgen bei ihren zweiten Winterspielen. Ihre Dresdner Kollegin profitierte nach erhaltenem Schulterrempler von einem Advancement und darf am Donnerstag im Viertelfinale weiter hoffen.

Melli OlySchiedsrichterin Melli dank Statistik bei Olympia. Foto: DESG-PresseDie ranghöchste deutsche Eisschnelllauf-Schiedsrichterin (neben Hubert Kamml/Inzell), Melanie Symalla, sitzt auch bei Olympia im Zentrum des Geschehens, in einem spartanischen Räumchen des Gangneung Oval. Allerdings als Sportexpertin der ISU. Sie versorgt den Stadionsprecher mit allen Infos zu den Athletinnen und Athleten – was Bestzeiten und Rekorde angeht.

Nico 500Nico - Und jetzt die 1000 m angepackt. Foto: Martin de JongAls die Schreiberlinge im gigantischen Gangneung Oval ihre Zeilen in die Rechner hämmerten, saß längst kein Zuschauer mehr auf den Tribünen – eine Stunde vorher hatte der Bär bei der schnellsten Eisschnelllauf-Entscheidung der Winterspiele gesteppt. Irgendwie eine bedrückende Stimmung, jetzt. Es gab keine Medaille zu vermelden, die ganz Deutschland Nico Ihle gegönnt hätte. Der Chemnitzer belegte beim Sieg des Saison-Dominators Havard Lorentzen (34,41 Sekunden) über 500 m Rang 8, nur gut zwei Zehntel von Bronze entfernt. Aber schon typisch, dass der starke Mann himself die miese Stimmung wegfegte. „Was soll’s? Ich lasse mich dadurch nicht aus dem Konzept bringen“, nahm der 32-Jährige sogleich die nächste Aufgabe ins Visier. Die 1000 Meter am Freitag.

Team PursuitTeam Pursuit - große Enttäuschung bei Roxanne Dufer, Gabriele Hirschbichler und Claudia Pechstein.
Foto: Martin de Jong
Es war eine Hoffnung und keine kleine. Aber es sollte im Team Pursuit der Damen nicht sein. Nur die sechstbeste Zeit (3:02,65 Minuten) und damit am Mittwoch im Rennen um Platz 5 und 6 – aber der Griff nach den Medaillen ist nicht mehr möglich. Roxanne Dufter nannte sich den „Risikofaktor“, nach der Krankheit war die Inzellerin „nicht in 100-prozentiger Form“. Aber danach sah es bis Runde 5 im „Battle“ gegen Kanada nicht aus. Team Germany führte, doch dann schwanden die Kräfte. Gabi Hirschbichler hatte einen guten Start hingelegt, hinterher sagte sie, ziemlich gefrustet: „Schade, aber wir wussten, wie schwer es hier wird. Alle drei haben gekämpft, leider reichte es nicht.“

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